Manchmal denke ich, es sollen die Alten mit Absicht aus der Nutzung der Technik rausgekickt werden. Gichtpfoten weg!
Eine besonders beliebte Methode war und ist immer noch dabei die Abschaffung von Drehknöpfen aller Art. Wer bei heutigen Radios einen Sender finden will, muss mindestens Menü öffnen, Senderliste scannen, Menü „Senderliste“ auswählen, Sender auswählen und anklicken. Dies auch schon mal während des Autofahrens.
Irgendwann klebt er natürlich am Baum, wird gar nicht erst alt.
Drehknöpfe werden auch an Haushaltsgeräten immer weniger. Wo es geht, wird auf Touchscreens getoucht und zwar so lange, bis eine einfache Drehknopfdrehung einigermaßen simuliert ist. Man nennt das „intuitiv“.
Die Lächerlichkeit der Umwege wird nicht mehr bemerkt. Hauptsache, ein Drehknopf und damit zehn Millionen Verkalkte weniger im Umlauf.
Das Drehknopfverbot allein reicht irgendwann natürlich nicht mehr. Die Alten von heute schlucken heimlich Ginseng und joggen geistig mit Sudoku. Sie kriegen trotz Touchscreen und Multifernbedienung einen Sender rein (den sie meist gleich wieder aus machen).
Es braucht langsam neue Altensperren.
Eine ist die Pflicht, sich namentlich anzumelden für irgendeinen Shop, Club oder Äpp. So alte Knöpfchendreher sind nämlich misstrauisch und melden sich nicht gern namentlich an. Sie haben schon viel Schreckliches erlebt und sind darauf nicht mehr so neugierig wie Junge.
Die Einstellungen der Privatheit bei sozialen Netzwerken kriegt man meist mit einem Abitur von vor 1980 schon gar nicht mehr hin.
Jede Generation versucht offenbar, die vorhergehende irgendwie abzuhängen. Wie eine Raumkapsel die Trägerraketenstufen. Netterweise könnte man ein bisschen Kram mit Drehknöpfen zurücklassen. Aber nein.
Sie müssen weiter. Zu neuen Barrieren.
schief und klar
Freitag, 24. Mai 2013
Donnerstag, 23. Mai 2013
Der aussterbende Arbeiter
Während die Sozialdemokratie heute ihr 150-jähriges Bestehen und Dezent-vor-sich-hin-Triumphieren feiert, frage ich mich, wann ich zum letzten Mal einen Arbeiter getroffen habe.
Schließlich fing das ja als Arbeiterbewegung an. Aber wer ist noch einer? Und wer will noch einer selbst dann sein, wenn er einer ist?
Mir scheinen die Menschen heute besonders von sich weg bewegt zu sein, von Schwerstarbeitern der Ablenkung zum Konsumenten geprägt und sich nur noch gelegentlich wundernd über das viele Rot auf der Parteihomepage.
Nicht nur der Arbeiter, auch die Arbeit wird schließlich unsichtbar. Die Dinge scheinen wie von Geisterhand gefertigt im Supermarkt aufzutauchen. Und kein Metallarbeiterstreik wird auch nur für eine Schachtel die Schraubenbestände des Baumarktes unterbrechen. Zu den reduzierten Emissionen gehört auch die reduzierte Beachtung der Arbeit.
Die diskreten Fabriken mit Fließbändern und Taktstraßen suchen, wenn überhaupt wen, keine Arbeiter mehr, sondern Fachkräfte, allerhand Assistenten oder höchstens Mitarbeiter. Am liebsten denken sie sich englische Jobbeschreibungen aus oder ersetzen, wen sie können, durch Roboter, die irgendwann vielleicht eine Roboterbewegung gründen. Schließlich stehen alle Räder still, wenn die Anwendung nicht reagiert.
Die Arbeiterbewegung taucht im aktuellen SPD-Programm als erledigt auf. Was den Kampfgeist betrifft, ist die Sozialdemokratie heute einer der schlagendsten Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie.
Wenn man für Arbeiter schon nicht mehr viel tun kann, sollte man am besten so tun, als gäbe es sie nicht. Und gibt es doch mal einen, werde ich ihn, arbeiterbewegt, um ein Autogramm bitten. Wenn es nichts kostet.
Schließlich fing das ja als Arbeiterbewegung an. Aber wer ist noch einer? Und wer will noch einer selbst dann sein, wenn er einer ist?
Mir scheinen die Menschen heute besonders von sich weg bewegt zu sein, von Schwerstarbeitern der Ablenkung zum Konsumenten geprägt und sich nur noch gelegentlich wundernd über das viele Rot auf der Parteihomepage.
Nicht nur der Arbeiter, auch die Arbeit wird schließlich unsichtbar. Die Dinge scheinen wie von Geisterhand gefertigt im Supermarkt aufzutauchen. Und kein Metallarbeiterstreik wird auch nur für eine Schachtel die Schraubenbestände des Baumarktes unterbrechen. Zu den reduzierten Emissionen gehört auch die reduzierte Beachtung der Arbeit.
Die diskreten Fabriken mit Fließbändern und Taktstraßen suchen, wenn überhaupt wen, keine Arbeiter mehr, sondern Fachkräfte, allerhand Assistenten oder höchstens Mitarbeiter. Am liebsten denken sie sich englische Jobbeschreibungen aus oder ersetzen, wen sie können, durch Roboter, die irgendwann vielleicht eine Roboterbewegung gründen. Schließlich stehen alle Räder still, wenn die Anwendung nicht reagiert.
Die Arbeiterbewegung taucht im aktuellen SPD-Programm als erledigt auf. Was den Kampfgeist betrifft, ist die Sozialdemokratie heute einer der schlagendsten Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie.
Wenn man für Arbeiter schon nicht mehr viel tun kann, sollte man am besten so tun, als gäbe es sie nicht. Und gibt es doch mal einen, werde ich ihn, arbeiterbewegt, um ein Autogramm bitten. Wenn es nichts kostet.
Dienstag, 21. Mai 2013
Gegenrechnen
Darüber nachgedacht, ob ich mit den doch etlichen Bäumen und Sträuchern, die ich auf unser vormals nur von Kraut bewachsenes Grundstück gepflanzt habe, die CO2-Bilanz meines Autos kompensiere.
Die eigene dazu.
Man ist aus ökologischem Gewissen heraus bemüht, sich ungeschehen zu machen.
Pflanzen sind da um ein ganz entspanntes Selbstbewusstsein zu beneiden. Brauchen nicht einen auf grün zu machen, sondern sind es einfach.
Wie hochmütig wir Menschen erst wären, beruhten wir auf Fotosynthese!
Die eigene dazu.
Man ist aus ökologischem Gewissen heraus bemüht, sich ungeschehen zu machen.
Pflanzen sind da um ein ganz entspanntes Selbstbewusstsein zu beneiden. Brauchen nicht einen auf grün zu machen, sondern sind es einfach.
Wie hochmütig wir Menschen erst wären, beruhten wir auf Fotosynthese!
Freitag, 17. Mai 2013
Wo man singt
Irgendwie war der European Song Contest einen Tick, man verzeihe das harte Wort, musikalischer, als er noch französisch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. Es war auch eindeutig weniger Lametta.
Als ich gestern in Erwartung einer belehrenden Geschichtsdokumentation bei „Phoenix“ hineinzappte, bemerkte ich, dass der Kanal vom Halbfinale (gefühlt mindestens Achtel-) des Sängerkriegs auf Malmö geflutet war.
Statt einem der beliebten Rückblicke in finstere Zeiten gab es, so stutzte ich anfangs, offenbar die Olympiade der Lichttechnik. Schnell aber entdeckte ich im Photonengewitter der Scheinwerfer-Batterien diese jungen Gesichter mit der eitlen Hoffnung und wusste, wo hinein ich geraten war.
Wenn nur das Beleuchtete (sie haben ja viel Wasserkraftwerke da oben in Schweden, da wird das ökologisch glimpflich abgehen) nicht so finster wäre. Wie selbst nutzbare Stimmen musikalisch radikal unterversorgt werden! Vieles hat man in der U-Bahn schon besser gehört.
Rasch lernte ich, dass sich die Darbietungen im Wesentlichen in zwei Säcke tun lassen: „Herumspringen“ und „Jammern“, Partygedöns und Klage-Arie.
Vielleicht sollte man da mal getrennte Wertungen auftun. Bis jetzt war es diesmal auch nicht so schlimm wie sonst mit der panslawischen Telefonverschwörung. Seit es in Sibirien Telefon gibt, buttern sich die ehemaligen Sowjetrepubliken beim Song Contest gern kräftig zu, damit Putin sie stehen lässt. Mittlerweile hat der Westen sein Stimmvieh aber wohl besser aufgestellt. Wenn sogar Malta weiterkommt.
Klage-Arie dominiert bis jetzt leicht vor Partygedöns. Der Trend geht also zu Bodennebel und Glitzer. Hymnisches Overacting ist immer noch ein probates Mittel, die musikalische Dürftigkeit mit Zuckerguss zu deckeln. Aber kann eine ganze Nation nicht einen einzigen wirklichen musikalischen Einfall aufbringen? Ist die Eurokrise nur der Zipfel des Eisbergs des Versagens?
Zu welch Trara nun selbst talentierte Jugendliche immer wieder missbraucht wurden – ich schaute das Spektakel bis zum Schluss! Wie aus Schweden herüber hypnotisiert! Wie ein Emigrant hoffte ich, im jeweils nächsten Land endlich eine geschmackliche Heimat zu finden. Vergebens!
Wie viele Maiabende meines Lebens mich der Krawall schon gekostet hat! Inklusive der zähen Punkte-Abfrage in den einzelnen Brutnestern der Eintagsfliegen.
Zum Glück haben wir am Finaleabend Gäste. Hoffentlich verlangen die nicht danach.
Als ich gestern in Erwartung einer belehrenden Geschichtsdokumentation bei „Phoenix“ hineinzappte, bemerkte ich, dass der Kanal vom Halbfinale (gefühlt mindestens Achtel-) des Sängerkriegs auf Malmö geflutet war.
Statt einem der beliebten Rückblicke in finstere Zeiten gab es, so stutzte ich anfangs, offenbar die Olympiade der Lichttechnik. Schnell aber entdeckte ich im Photonengewitter der Scheinwerfer-Batterien diese jungen Gesichter mit der eitlen Hoffnung und wusste, wo hinein ich geraten war.
Wenn nur das Beleuchtete (sie haben ja viel Wasserkraftwerke da oben in Schweden, da wird das ökologisch glimpflich abgehen) nicht so finster wäre. Wie selbst nutzbare Stimmen musikalisch radikal unterversorgt werden! Vieles hat man in der U-Bahn schon besser gehört.
Rasch lernte ich, dass sich die Darbietungen im Wesentlichen in zwei Säcke tun lassen: „Herumspringen“ und „Jammern“, Partygedöns und Klage-Arie.
Vielleicht sollte man da mal getrennte Wertungen auftun. Bis jetzt war es diesmal auch nicht so schlimm wie sonst mit der panslawischen Telefonverschwörung. Seit es in Sibirien Telefon gibt, buttern sich die ehemaligen Sowjetrepubliken beim Song Contest gern kräftig zu, damit Putin sie stehen lässt. Mittlerweile hat der Westen sein Stimmvieh aber wohl besser aufgestellt. Wenn sogar Malta weiterkommt.
Klage-Arie dominiert bis jetzt leicht vor Partygedöns. Der Trend geht also zu Bodennebel und Glitzer. Hymnisches Overacting ist immer noch ein probates Mittel, die musikalische Dürftigkeit mit Zuckerguss zu deckeln. Aber kann eine ganze Nation nicht einen einzigen wirklichen musikalischen Einfall aufbringen? Ist die Eurokrise nur der Zipfel des Eisbergs des Versagens?
Zu welch Trara nun selbst talentierte Jugendliche immer wieder missbraucht wurden – ich schaute das Spektakel bis zum Schluss! Wie aus Schweden herüber hypnotisiert! Wie ein Emigrant hoffte ich, im jeweils nächsten Land endlich eine geschmackliche Heimat zu finden. Vergebens!
Wie viele Maiabende meines Lebens mich der Krawall schon gekostet hat! Inklusive der zähen Punkte-Abfrage in den einzelnen Brutnestern der Eintagsfliegen.
Zum Glück haben wir am Finaleabend Gäste. Hoffentlich verlangen die nicht danach.
Donnerstag, 16. Mai 2013
Der Process
Justiz ist, das habe ich auch schon mal erfahren dürfen, nichts für Leute mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.
Advokaten bewegen sich in Gesetzestext und nicht in Haltungen. Das führt zu einer gewissen maschinellen Nichtmenschlichkeit, auch zu einer Abwesenheit vom Eigentlichen.
Dies zu erreichen, füllt den Advokaten statt mit Scham mit Stolz, weil er sich nur noch als Spieler fühlt, der um einen Punktstand kämpft. Je größer der zivilisatorische Abgrund ist, der sich unter seinem Mandanten auftut, desto größer das zivilisatorische Aufgebot in Gestalt von Rechtsmitteln.
Beim NSU-Prozess will nun der Berufsstand zeigen, auf welch kafkaesk-absurdes Niveau das Winkeladvokatentum herabgedimmt werden kann, wenn ein paar tolle Hechte alle Register ziehen. Eine Karikatur der ganzen Zunft.
Das, wen wundert’s, Gelächter im Gerichtssaal musste der Verteidiger deshalb so beklagen, weil es das Spiel in Frage stellt, das er gerade dank einiger Morde gutbezahlt spielen darf.
Juristen werden mir tausendundeinen Beleg geben, wie wertvoll unsere Strafprozessordnung ist. Ich leide dennoch mit den Opfern und der Justizkasse. Welcher Paragraph schützt die Würde der Opfer und die öffentlichen Ausgaben?
Die Schuld muss ermittelt werden. Trotz der Anwälte.
Advokaten bewegen sich in Gesetzestext und nicht in Haltungen. Das führt zu einer gewissen maschinellen Nichtmenschlichkeit, auch zu einer Abwesenheit vom Eigentlichen.
Dies zu erreichen, füllt den Advokaten statt mit Scham mit Stolz, weil er sich nur noch als Spieler fühlt, der um einen Punktstand kämpft. Je größer der zivilisatorische Abgrund ist, der sich unter seinem Mandanten auftut, desto größer das zivilisatorische Aufgebot in Gestalt von Rechtsmitteln.
Beim NSU-Prozess will nun der Berufsstand zeigen, auf welch kafkaesk-absurdes Niveau das Winkeladvokatentum herabgedimmt werden kann, wenn ein paar tolle Hechte alle Register ziehen. Eine Karikatur der ganzen Zunft.
Das, wen wundert’s, Gelächter im Gerichtssaal musste der Verteidiger deshalb so beklagen, weil es das Spiel in Frage stellt, das er gerade dank einiger Morde gutbezahlt spielen darf.
Juristen werden mir tausendundeinen Beleg geben, wie wertvoll unsere Strafprozessordnung ist. Ich leide dennoch mit den Opfern und der Justizkasse. Welcher Paragraph schützt die Würde der Opfer und die öffentlichen Ausgaben?
Die Schuld muss ermittelt werden. Trotz der Anwälte.
Dienstag, 14. Mai 2013
Keine Sternchen mehr
Es ist Schluss. In mein Leben als umnetzter Bürger tritt nach meiner Flucht aus dem Facebook-Reich ein weiteres asoziales Element: ich gebe keinerlei Bewertungen mehr für Waren und Dienstleistungen und ihre Anbieter gab.
Schuld ist eine große Materialermüdung im zuständigen Areal meines Gehirns.
Das ständige „Sie haben Händler X noch nicht bewertet“ stapelte sich zu lästig auf meinem inneren Schreibtisch. Auch ist Ehrlichkeit längst viel zu verletzend. Alles, was nicht auf „Prima! Toll! Gerne wieder!“ hinausläuft, ist heute schon mal Mobbing. Vor dem geistigen Auge erschienen mir oft barmende Händler, die in ihren Familien viele hungrige Mäuler, das eigene eingeschlossen, zu stopfen haben. Zitternd fürchteten sie meinen Richterspruch. Bestimmt sind sie nun wiederum sauer, weil ich gar nichts mehr bescheide, denn das Schweigen ist auch schon längst beredtes Mobbing und verhagelt ihnen ihr täglich Ranking.
Aber habe ich denn immerhin nicht gekauft und bezahlt? Ist das gar nichts wert? Und wollten wir nicht mal grundsätzlich das ganze Denunziationswesen hinter uns lassen?
Dazu kommt bei mir diese angeborene Skalierungs-Schwäche. Heute lernen wahrscheinlich schon Säuglinge, die Muttermilch zwischen Eins und Fünf zu verorten. Zufriedenheit skaliert sich bei mir aber manchmal mit Null, minus Fünf oder Zwölf oder auch seitlich. Ich habe beim Hineinhorchen in mein nicht vorhandenes Ranking-Organ noch nie einen klaren Messwert zwischen Eins und Fünf empfangen. Leider kann man immer seltener „weiß nicht“ ankreuzen, was immer sehr schön war.
Amazon wollte auch mal, dass ich zu einem Paar Strümpfe eine Rezension schreibe. War ich als Autor so weit gesunken?
Nun hätte ich mich bewertungsmäßig auch nur rar machen können, aber das kollidiert nun wirklich mit dem Gerechtigkeitssinn. Mal zusagen, mal ablehnen – das wäre auch wieder eine Aussage einer differenzierten Bewertung. Nein, ich musste aus dem ganzen Gestrüpp heraus. Frei atmen! Das ganze Bewertungswesen zumachen!
Es birgt freilich das Risiko, dass es Katzen nur noch in Säcken gibt, wenn alle so denken.
Aber es gibt, wie ich feststelle, mehr als genug Mitmenschen, die sich mit Lust und Eifer ins Hochloben und Niedermachen stürzen, die diese Freude am inneren Rasen haben, die skalierungstüchtig sind und auch genug kaufen.
Notfalls kauft man eben ins Blaue hinein und dann auch mal Mist, wie früher.
Doch von der Brust ist ein Alb genommen, seit ich nichts mehr bewerte. Manchmal komme ich sogar wieder richtig zu sinnvollen Beschäftigungen. Und wenn ich wirklich was zu meckern habe, sage ich es dem Unternehmen direkt ins Postfach, mit Klarnamen! Das hilft manchmal, meistens aber nicht. Aber es ist ein besseres Gefühl, als heimtückisch null Punkte mit „jaccuse2013“ zu unterzeichnen. Und wenn mir ein Hotel gefällt, reime ich ihm was ins Gästebuch: „Hier war ich gerne, von mir aus fünf Sterne!“
Schuld ist eine große Materialermüdung im zuständigen Areal meines Gehirns.
Das ständige „Sie haben Händler X noch nicht bewertet“ stapelte sich zu lästig auf meinem inneren Schreibtisch. Auch ist Ehrlichkeit längst viel zu verletzend. Alles, was nicht auf „Prima! Toll! Gerne wieder!“ hinausläuft, ist heute schon mal Mobbing. Vor dem geistigen Auge erschienen mir oft barmende Händler, die in ihren Familien viele hungrige Mäuler, das eigene eingeschlossen, zu stopfen haben. Zitternd fürchteten sie meinen Richterspruch. Bestimmt sind sie nun wiederum sauer, weil ich gar nichts mehr bescheide, denn das Schweigen ist auch schon längst beredtes Mobbing und verhagelt ihnen ihr täglich Ranking.
Aber habe ich denn immerhin nicht gekauft und bezahlt? Ist das gar nichts wert? Und wollten wir nicht mal grundsätzlich das ganze Denunziationswesen hinter uns lassen?
Dazu kommt bei mir diese angeborene Skalierungs-Schwäche. Heute lernen wahrscheinlich schon Säuglinge, die Muttermilch zwischen Eins und Fünf zu verorten. Zufriedenheit skaliert sich bei mir aber manchmal mit Null, minus Fünf oder Zwölf oder auch seitlich. Ich habe beim Hineinhorchen in mein nicht vorhandenes Ranking-Organ noch nie einen klaren Messwert zwischen Eins und Fünf empfangen. Leider kann man immer seltener „weiß nicht“ ankreuzen, was immer sehr schön war.
Amazon wollte auch mal, dass ich zu einem Paar Strümpfe eine Rezension schreibe. War ich als Autor so weit gesunken?
Nun hätte ich mich bewertungsmäßig auch nur rar machen können, aber das kollidiert nun wirklich mit dem Gerechtigkeitssinn. Mal zusagen, mal ablehnen – das wäre auch wieder eine Aussage einer differenzierten Bewertung. Nein, ich musste aus dem ganzen Gestrüpp heraus. Frei atmen! Das ganze Bewertungswesen zumachen!
Es birgt freilich das Risiko, dass es Katzen nur noch in Säcken gibt, wenn alle so denken.
Aber es gibt, wie ich feststelle, mehr als genug Mitmenschen, die sich mit Lust und Eifer ins Hochloben und Niedermachen stürzen, die diese Freude am inneren Rasen haben, die skalierungstüchtig sind und auch genug kaufen.
Notfalls kauft man eben ins Blaue hinein und dann auch mal Mist, wie früher.
Doch von der Brust ist ein Alb genommen, seit ich nichts mehr bewerte. Manchmal komme ich sogar wieder richtig zu sinnvollen Beschäftigungen. Und wenn ich wirklich was zu meckern habe, sage ich es dem Unternehmen direkt ins Postfach, mit Klarnamen! Das hilft manchmal, meistens aber nicht. Aber es ist ein besseres Gefühl, als heimtückisch null Punkte mit „jaccuse2013“ zu unterzeichnen. Und wenn mir ein Hotel gefällt, reime ich ihm was ins Gästebuch: „Hier war ich gerne, von mir aus fünf Sterne!“
Donnerstag, 9. Mai 2013
No Limit
Mal einen Tag lang die staubigen Äcker des virtuellen Raumes zugunsten des Gartens links liegen gelassen, und schon ist das letzte Posting obsolet. Die SPD kennt nämlich beim Zurückpfeifen kein Tempo-Limit. Die Fahrspaßbremse Gabriel hätte beinahe das wichtige Wählersegment der Autofahrer (99,9 % der männlichen Bevölkerung) vergrätzt. Na, lange mussten sie im Tempo-15-Kremser nicht jammern.
Nun, ich hatte heute meine Freude am Rasen, am grünen Rasen. Im Garten ist die Welt noch in schönster Unordnung und kennt keine Limits: beim Unkrautjäten herrscht ungedrosselte Flatrate. Immer wieder erstaunt mich, dass ich als Pflanzenfreund die meiste Zeit damit beschäftigt bin, Pflanzen zu killen. Und dass man am glücklichsten ist, wenn man sich gar nicht fortbewegen muss.
Nun, ich hatte heute meine Freude am Rasen, am grünen Rasen. Im Garten ist die Welt noch in schönster Unordnung und kennt keine Limits: beim Unkrautjäten herrscht ungedrosselte Flatrate. Immer wieder erstaunt mich, dass ich als Pflanzenfreund die meiste Zeit damit beschäftigt bin, Pflanzen zu killen. Und dass man am glücklichsten ist, wenn man sich gar nicht fortbewegen muss.
Mittwoch, 8. Mai 2013
Bremse kaputt
Die SPD, immer auf der Suche nach unpopulären Zielen, will nun Tempo 120 auf der Autobahn.
Als ob Tempo 130 schon durchgesetzt wäre.
Und wie wird der Drängler, der dumpfbackige Todesengel, erst bei Tempo 120 drängeln!
Auf der Autobahn ist der Deutsche immer noch der Eroberer, der zu sein ihm nie geglückt war.
Das deutsche Schleudertrauma.
Wir sind die „Aberjetzes“, wie uns der Afrikaner (laut Sigmar Gabriel „der Rest der Welt“) trefflich zu bezeichnen weiß.
Tempo 120 anzuordnen ist leider auch nur ein Aberjetze.
Denn nichts Vernünftiges wird per ordre de mufti ohne den Sieg der Vernunft. Und das Verkehrsschild „Vernunft einschalten“ ist noch nicht einmal entwickelt. Könnte mir so eine Art weißes Gehirn auf blauem Grund vorstellen, nicht indes, dass auch dieses Schild etwas bewirkt.
Sobald der Germane umblecht ist, und das hat er von den alten Rittersleut, hält er sich für unbesiegbar und überhaupt im Turnier. Schade findet er nur, dass Autos keine Lanzen haben.
Man müsste mitten in der Unterm-Strich-zähl-ich-Ära den Gedanken einpflanzen, dass es nicht wichtig ist, der Erste zu sein. Der menschliche Schädel ist dafür nur leider ein schlechter Blumentopf.
Das bisschen übriggebliebene Wirgefühl reicht gerade noch für Fußball.
Oder für wenigstens Tempo 130?
Als ob Tempo 130 schon durchgesetzt wäre.
Und wie wird der Drängler, der dumpfbackige Todesengel, erst bei Tempo 120 drängeln!
Auf der Autobahn ist der Deutsche immer noch der Eroberer, der zu sein ihm nie geglückt war.
Das deutsche Schleudertrauma.
Wir sind die „Aberjetzes“, wie uns der Afrikaner (laut Sigmar Gabriel „der Rest der Welt“) trefflich zu bezeichnen weiß.
Tempo 120 anzuordnen ist leider auch nur ein Aberjetze.
Denn nichts Vernünftiges wird per ordre de mufti ohne den Sieg der Vernunft. Und das Verkehrsschild „Vernunft einschalten“ ist noch nicht einmal entwickelt. Könnte mir so eine Art weißes Gehirn auf blauem Grund vorstellen, nicht indes, dass auch dieses Schild etwas bewirkt.
Sobald der Germane umblecht ist, und das hat er von den alten Rittersleut, hält er sich für unbesiegbar und überhaupt im Turnier. Schade findet er nur, dass Autos keine Lanzen haben.
Man müsste mitten in der Unterm-Strich-zähl-ich-Ära den Gedanken einpflanzen, dass es nicht wichtig ist, der Erste zu sein. Der menschliche Schädel ist dafür nur leider ein schlechter Blumentopf.
Das bisschen übriggebliebene Wirgefühl reicht gerade noch für Fußball.
Oder für wenigstens Tempo 130?
Sonntag, 5. Mai 2013
Ein Bierrätsel
Wie war die Reise? Danke der Nachfrage.
Es ist noch nicht klar, warum der Herrgott Bayern mit so viel Schönheit segnet. Nur ausdauerndes Beichten kann es nicht sein.
Aber Schönheit kann bekanntlich trügen, und etwas Misstrauen sollte jeder Reisende heutzutage griffbereit bei sich führen. Tourismus ist schließlich eine Traumfabrik, eine Reise auch immer ein Trip.
Es war so in etwa beim dritten Mal, als ich durch die Fensterscheiben eines Gasthauses wieder diese zwei Kupferkessel sah, aus deren Anwesenheit die Häuser lauthals die Herstellung eines eigenen Bieres begründeten.
Hmm.
Hier wird eben sowohl Manufaktur wie Autonomie zelebriert, so etwas kommt immer an im Urlaub der Knechte von Industrie und Abhängigkeit.
Aber geht das mit rechten Dingen zu? Ja, geht es überhaupt zu?
Alle näher beäugten Kessel waren aufgeklappt und mutmaßlich leer. Die Armatur zeigte Zimmertemperatur und das Ganze schien viel zu zurückhaltend verschlaucht, verkabelt und miteinander verrohrt.
Mithin, das Hausbier wurde reichlich ausgeschenkt, und nach dem dritten Seidel mögen im Allgemeinen letzte Zweifel ertränkt sein.
Was aber, wenn alles ein großer Schwindel ist?
Dann ist es eben großer Schwindel, sagte ich mir, schließlich hat man Urlaub.
Einmal hatte ich sogar zu fragen gewagt, ganz salopp „Na, wo brauen Sie denn wirklich?“ und erhielt ebenso freudig wie kühl den Bescheid, dass allweil zur Schließzeit des Lokals fleißig gebraut werde, was die Kessel halten. Wie bei Rumpelstilzchen: heute back ich, morgen brau ich. Mir lag auf der Zunge, einzuwenden, dass da nicht vielleicht irgend ein mir nicht näher vertrauter Sud doch einige Reifetage bräuchte, aber da stand das nächste Glas Betäubungsmittel schon bereit.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot, dass einen schon oft stolz gemacht hat, wenn es in fernen Flughafenbars nur wieder lauter Verstöße zu trinken gab.
Daher tut sanfter Tourismus so gut. Man bleibt im Land und nährt sich, meint man, redlich.
Nun hatte ich an jenem Tage bereits reichlich Echtheit akzeptiert, nämlich jene der Berge, obgleich ich zu meinem Staunen direkt im Wanderweg Gullys eingearbeitet fand, unter denen offenbar eine Kanalisation gluckerte. Und nun womöglich die große Bierlüge? Zweifel gärten im Kupferkessel meines Hirns.
Wie immer, wenn das Volk unwissend gehalten wird, entwickeln sich Verschwörungstheorien. Meine beliebteste lautet, dass buchstäblich irgendwo auf der Welt eine Brauerei ihre Absatzkrise mit verschwiegenen Angeboten an deutsche Landgasthäuser löst. Stelle Kupferkessel auf und rede davon! Niemand kommt dabei zu Schaden, wenn man von der Wirkung des Alkohols absieht. Der Glaube und ein paar Amigos können Brauereien versetzen! Den Rest erledigt das Beichtgeheimnis.
Ist Wahrheit im Bier?
Es ist noch nicht klar, warum der Herrgott Bayern mit so viel Schönheit segnet. Nur ausdauerndes Beichten kann es nicht sein.
Aber Schönheit kann bekanntlich trügen, und etwas Misstrauen sollte jeder Reisende heutzutage griffbereit bei sich führen. Tourismus ist schließlich eine Traumfabrik, eine Reise auch immer ein Trip.
Es war so in etwa beim dritten Mal, als ich durch die Fensterscheiben eines Gasthauses wieder diese zwei Kupferkessel sah, aus deren Anwesenheit die Häuser lauthals die Herstellung eines eigenen Bieres begründeten.
Hmm.
Hier wird eben sowohl Manufaktur wie Autonomie zelebriert, so etwas kommt immer an im Urlaub der Knechte von Industrie und Abhängigkeit.
Aber geht das mit rechten Dingen zu? Ja, geht es überhaupt zu?
Alle näher beäugten Kessel waren aufgeklappt und mutmaßlich leer. Die Armatur zeigte Zimmertemperatur und das Ganze schien viel zu zurückhaltend verschlaucht, verkabelt und miteinander verrohrt.
Mithin, das Hausbier wurde reichlich ausgeschenkt, und nach dem dritten Seidel mögen im Allgemeinen letzte Zweifel ertränkt sein.
Was aber, wenn alles ein großer Schwindel ist?
Dann ist es eben großer Schwindel, sagte ich mir, schließlich hat man Urlaub.
Einmal hatte ich sogar zu fragen gewagt, ganz salopp „Na, wo brauen Sie denn wirklich?“ und erhielt ebenso freudig wie kühl den Bescheid, dass allweil zur Schließzeit des Lokals fleißig gebraut werde, was die Kessel halten. Wie bei Rumpelstilzchen: heute back ich, morgen brau ich. Mir lag auf der Zunge, einzuwenden, dass da nicht vielleicht irgend ein mir nicht näher vertrauter Sud doch einige Reifetage bräuchte, aber da stand das nächste Glas Betäubungsmittel schon bereit.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot, dass einen schon oft stolz gemacht hat, wenn es in fernen Flughafenbars nur wieder lauter Verstöße zu trinken gab.
Daher tut sanfter Tourismus so gut. Man bleibt im Land und nährt sich, meint man, redlich.
Nun hatte ich an jenem Tage bereits reichlich Echtheit akzeptiert, nämlich jene der Berge, obgleich ich zu meinem Staunen direkt im Wanderweg Gullys eingearbeitet fand, unter denen offenbar eine Kanalisation gluckerte. Und nun womöglich die große Bierlüge? Zweifel gärten im Kupferkessel meines Hirns.
Wie immer, wenn das Volk unwissend gehalten wird, entwickeln sich Verschwörungstheorien. Meine beliebteste lautet, dass buchstäblich irgendwo auf der Welt eine Brauerei ihre Absatzkrise mit verschwiegenen Angeboten an deutsche Landgasthäuser löst. Stelle Kupferkessel auf und rede davon! Niemand kommt dabei zu Schaden, wenn man von der Wirkung des Alkohols absieht. Der Glaube und ein paar Amigos können Brauereien versetzen! Den Rest erledigt das Beichtgeheimnis.
Ist Wahrheit im Bier?
Sonntag, 28. April 2013
Freitag, 26. April 2013
Endstation Hoeneß
Seit das gesamte Beitrittsgebiet Ost bundesligamäßig versteppt war, konnte ich mich eh nur noch für Fußball auf Länderspiel-Ebene begeistern.
Da weiß man noch, worum es geht! Wenn die Kämpen zu den Fahnen der Heimat eilen, Herd und Hauptkontositz verlassen, um das Land der Väter vor feindlichen Bällen zu schützen, da mochte und mag ich willig mitfiebern.
Aber Wirtschaftskriege, an denen ich selbst natürlich schon gar nichts verdiene, aus der Fankurve zu bewinken – nein. Das sollte eigentlich unter jedermanns Würde sein.
Wer mag es manchem Fan verdenken, wenn er seine geistige Flatrate mit Büchsenbier herunterdimmt, um nur nicht der Wahrheit ins tote Auge zu sehen: Vereinsfußball sagt nichts über die sportliche Agilität des vertretenen Ortes, sondern nur noch, wie geschickt man an der Beinbörse zu feilschen weiß. Fußball ist Monopoly ohne Würfeln.
Vom „Ausverkauf“ in Dortmund ist nun schon die Rede. Alle, welche den ansonsten unbekannten Marktflecken soeben zu großem Ruhm verhalfen, wollen ihn umso schneller verlassen. Auf dem Rasen tummelten sich halt keine Patrioten, sondern Luxusgüter, die sich nach München empfehlen.
Wie man sich mit seinem Herzen auf eine Nuttensammlung festlegen kann, die schlimmstenfalls von Steuerflüchtlingen verwest wird, bleibt mir ein Rätsel.
Sonderlich spanisch kommt es mir aber nicht vor.
Bis zum nächsten Länderspiel!
Da weiß man noch, worum es geht! Wenn die Kämpen zu den Fahnen der Heimat eilen, Herd und Hauptkontositz verlassen, um das Land der Väter vor feindlichen Bällen zu schützen, da mochte und mag ich willig mitfiebern.
Aber Wirtschaftskriege, an denen ich selbst natürlich schon gar nichts verdiene, aus der Fankurve zu bewinken – nein. Das sollte eigentlich unter jedermanns Würde sein.
Wer mag es manchem Fan verdenken, wenn er seine geistige Flatrate mit Büchsenbier herunterdimmt, um nur nicht der Wahrheit ins tote Auge zu sehen: Vereinsfußball sagt nichts über die sportliche Agilität des vertretenen Ortes, sondern nur noch, wie geschickt man an der Beinbörse zu feilschen weiß. Fußball ist Monopoly ohne Würfeln.
Vom „Ausverkauf“ in Dortmund ist nun schon die Rede. Alle, welche den ansonsten unbekannten Marktflecken soeben zu großem Ruhm verhalfen, wollen ihn umso schneller verlassen. Auf dem Rasen tummelten sich halt keine Patrioten, sondern Luxusgüter, die sich nach München empfehlen.
Wie man sich mit seinem Herzen auf eine Nuttensammlung festlegen kann, die schlimmstenfalls von Steuerflüchtlingen verwest wird, bleibt mir ein Rätsel.
Sonderlich spanisch kommt es mir aber nicht vor.
Bis zum nächsten Länderspiel!
Mittwoch, 24. April 2013
Das haben wir geguckt? Das haben wir geguckt.
Merkwürdige Erinnerungskorrekturen, wenn ich bei „ZDF Kultur“ die alten Hitparaden mit Dieter Thomas Heck sehe, welche meine Pubertätszeit medial umrankten.
Am meisten erstaunt, wie viele komische Leute außer Heck, Sänger, Tonsklave Reiner und Publikum überall herumstehen. Wer hatte die reingelassen? Einige darunter mit ausgesprochenem Anschlagsplanergesicht. Gehen rein und raus und durchs Bild, ohne dass irgendein Zugriff erfolgt. Lese im passenden Medium, dass Heck während der Sangesdarbietungen in der Ecke rauchte oder hinten schnell ein Bier zischte.
Und diese Lotterbude war uns im Osten mal ein Glamourpaket? Eine Versammlung, wie wir sie bald an jeder Currywurstbude würden antreffen. Spaßmüde Apathen mit dem „Wo gibts was?“-Blick.
Und roboterhaft klatschten sie also auch auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs.
Merkwürdig, dass ich mich nicht losreißen kann. Sonst bin ich der schnellste Zapper östlich von Mainz, aber ich versuche noch weiter zu verstehen, warum es in frühester Jugendzeit nicht als asozial galt, solcherlei triviale Turniere anzuschauen, sondern vielmehr als nichtalltägliche Erleuchtung des Fernsehschirms, als glitzernde Wohnzimmergala zur Krönung der Flimmerwoche.
Und wie viele offensichtlich Schwule den Heteros ihre Liebe besingen! Können die das nicht selber? Einige haben den Spagat zwischen Sein und Schein auch nicht ausgehalten. Aber allein schon eigene Intelligenz muss für Sänger in der so genannten Blüte des deutschen Schlagers schrecklich gewesen sein. Besonders, wenn die Lieder von Kummer und Verzweiflung handeln, ist es jedes Mal von schockierender Unlogik, wie sich anschließend grinsend verbeugt wird. Geheimnisvolle Fremde überreichen Sträußchen. In vielen Sängergesichtern der Fußabdruck der Kleinstadtmugge.
Das Bizarrste an der Show ist aber, dass sie gegen die Tranigkeit von Volk und Lied eine Zelebrierung des Tempos setzt. Den lustvoll-hektischen Heck, der öfter auch mal laut sagt, wie wenig Sendesekunden ihm noch bleiben, gleichwohl dies die Biomasse im Saal nichts schert.
Hatz ist noch unverbindlich.
Man sollte ständig, vierundzwanzig Stunden lang auf einem Kanal das ganze Fernsehen von gestern zeigen, damit wir uns wenigstens über das Damals wundern.
Am meisten erstaunt, wie viele komische Leute außer Heck, Sänger, Tonsklave Reiner und Publikum überall herumstehen. Wer hatte die reingelassen? Einige darunter mit ausgesprochenem Anschlagsplanergesicht. Gehen rein und raus und durchs Bild, ohne dass irgendein Zugriff erfolgt. Lese im passenden Medium, dass Heck während der Sangesdarbietungen in der Ecke rauchte oder hinten schnell ein Bier zischte.
Und diese Lotterbude war uns im Osten mal ein Glamourpaket? Eine Versammlung, wie wir sie bald an jeder Currywurstbude würden antreffen. Spaßmüde Apathen mit dem „Wo gibts was?“-Blick.
Und roboterhaft klatschten sie also auch auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs.
Merkwürdig, dass ich mich nicht losreißen kann. Sonst bin ich der schnellste Zapper östlich von Mainz, aber ich versuche noch weiter zu verstehen, warum es in frühester Jugendzeit nicht als asozial galt, solcherlei triviale Turniere anzuschauen, sondern vielmehr als nichtalltägliche Erleuchtung des Fernsehschirms, als glitzernde Wohnzimmergala zur Krönung der Flimmerwoche.
Und wie viele offensichtlich Schwule den Heteros ihre Liebe besingen! Können die das nicht selber? Einige haben den Spagat zwischen Sein und Schein auch nicht ausgehalten. Aber allein schon eigene Intelligenz muss für Sänger in der so genannten Blüte des deutschen Schlagers schrecklich gewesen sein. Besonders, wenn die Lieder von Kummer und Verzweiflung handeln, ist es jedes Mal von schockierender Unlogik, wie sich anschließend grinsend verbeugt wird. Geheimnisvolle Fremde überreichen Sträußchen. In vielen Sängergesichtern der Fußabdruck der Kleinstadtmugge.
Das Bizarrste an der Show ist aber, dass sie gegen die Tranigkeit von Volk und Lied eine Zelebrierung des Tempos setzt. Den lustvoll-hektischen Heck, der öfter auch mal laut sagt, wie wenig Sendesekunden ihm noch bleiben, gleichwohl dies die Biomasse im Saal nichts schert.
Hatz ist noch unverbindlich.
Man sollte ständig, vierundzwanzig Stunden lang auf einem Kanal das ganze Fernsehen von gestern zeigen, damit wir uns wenigstens über das Damals wundern.
Dienstag, 23. April 2013
Am Grabe der Flatrate
Früher, als das Wünschen schon gar nicht geholfen hatte, zeigte mir ein kleines Fensterchen unten im Computerschirm, wie viele Bytes meines kargen Monatslimits ich bereits aus dem hartleibigen Internet gesaugt hatte.
Wenn es eng wurde mit der Ration der Telekom, schaltete ich beispielsweise die Anzeige von Fotos und Grafiken aus, denn vor allem die aufkommenden Werbebanner verprassten meine kostbaren Zuteilungen.
Hätte nie gedacht, dass die digitalen Rübenwinter wiederkommen.
Seit die Telekom aber ankündigte, die Festnetz-Flatrates zu kappen, hat die Zukunft einen Riss. Dem Kind wurde gerade erzählt, dass es gar keine Flatrates gibt.
Nun bin ich davon überzeugt, dass mittlerweile achtzig Prozent meines Datentransfers aus idiotischer Reklame bestehen, die alles umflackert, was man eigentlich aus den Weiten des Netzes hervorpopeln möchte. Vieles soll ja gerade deshalb gratis zugänglich sein, weil es sich durch Werbung finanziert. Doch ist es, bei Licht besehen, eben nicht mehr gratis zugänglich, wenn es die heimische Transfer-Vorratskammer leerfrisst und möglicherweise schon zur Monatshälfte ein Gnadenpaket dazugemietet werden muss, nur um kein Werbebanner zu verpassen.
Der Netzausbau ist, wie man liest, halt teuer, und die, welche das Netz verstopfen, sollen es nicht auch noch bezahlen müssen, sondern jene, auf die sich der Müll ergießt.
Transferabhängige Tarife sind Opfer-Abos.
Selbst, wenn der Kunde bei Überschreitung in den Sirup-Modus zurückversetzt wurde, wird sich zu ihm zuvörderst die Reklame durch die Kabelfaserritzen beißen und die Laune im virtuellen Straflager der Datenverprasser zusätzlich verdunkeln.
Im schlimmsten Fall steckt hinter der Abschaffung der Flatrate die Kapitulation der Versprechen vor dem Kunden.
Der Kunde ist gefräßiger als die Äcker hergeben.
Mit den Bandbreiten verbreitern sich Bedürfnisse und dies offenbar schneller, als technische Vorraussetzungen geschaffen werden können.
Der Mensch läuft sich selbst davon.
Irgendwo muss ich das kleine Programm noch haben, das mir den Datentransfer unten in der Ecke anzeigte. Wahrscheinlich wird es mit den neuen Windows-Versionen nicht mehr kompatibel sein. Denn dass etwas irgendwann nicht mehr geht, ist Fortschritt.
Wenn die Telekom clever ist, und das ist sie mit gewissen Vorzeichen immer, wird sie eigene Äpps bereitstellen, welche den Datenverbrauch wie einst anzeigen. Jedenfalls so, wie ihn die Telekom misst.
Wir werden staunen.
Und zum Staunen ist die Zukunft da.
Wenn es eng wurde mit der Ration der Telekom, schaltete ich beispielsweise die Anzeige von Fotos und Grafiken aus, denn vor allem die aufkommenden Werbebanner verprassten meine kostbaren Zuteilungen.
Hätte nie gedacht, dass die digitalen Rübenwinter wiederkommen.
Seit die Telekom aber ankündigte, die Festnetz-Flatrates zu kappen, hat die Zukunft einen Riss. Dem Kind wurde gerade erzählt, dass es gar keine Flatrates gibt.
Nun bin ich davon überzeugt, dass mittlerweile achtzig Prozent meines Datentransfers aus idiotischer Reklame bestehen, die alles umflackert, was man eigentlich aus den Weiten des Netzes hervorpopeln möchte. Vieles soll ja gerade deshalb gratis zugänglich sein, weil es sich durch Werbung finanziert. Doch ist es, bei Licht besehen, eben nicht mehr gratis zugänglich, wenn es die heimische Transfer-Vorratskammer leerfrisst und möglicherweise schon zur Monatshälfte ein Gnadenpaket dazugemietet werden muss, nur um kein Werbebanner zu verpassen.
Der Netzausbau ist, wie man liest, halt teuer, und die, welche das Netz verstopfen, sollen es nicht auch noch bezahlen müssen, sondern jene, auf die sich der Müll ergießt.
Transferabhängige Tarife sind Opfer-Abos.
Selbst, wenn der Kunde bei Überschreitung in den Sirup-Modus zurückversetzt wurde, wird sich zu ihm zuvörderst die Reklame durch die Kabelfaserritzen beißen und die Laune im virtuellen Straflager der Datenverprasser zusätzlich verdunkeln.
Im schlimmsten Fall steckt hinter der Abschaffung der Flatrate die Kapitulation der Versprechen vor dem Kunden.
Der Kunde ist gefräßiger als die Äcker hergeben.
Mit den Bandbreiten verbreitern sich Bedürfnisse und dies offenbar schneller, als technische Vorraussetzungen geschaffen werden können.
Der Mensch läuft sich selbst davon.
Irgendwo muss ich das kleine Programm noch haben, das mir den Datentransfer unten in der Ecke anzeigte. Wahrscheinlich wird es mit den neuen Windows-Versionen nicht mehr kompatibel sein. Denn dass etwas irgendwann nicht mehr geht, ist Fortschritt.
Wenn die Telekom clever ist, und das ist sie mit gewissen Vorzeichen immer, wird sie eigene Äpps bereitstellen, welche den Datenverbrauch wie einst anzeigen. Jedenfalls so, wie ihn die Telekom misst.
Wir werden staunen.
Und zum Staunen ist die Zukunft da.
Donnerstag, 18. April 2013
Werben beim Rollrasen
Ein unerschöpflicher Born geistiger Anregung sind dem Autofahrer die Beschriftungen von Lastwagen.
Heute gab es einen vorläufigen Höhepunkt, als ich an einem Sattelschlepper ganz groß „Fassadenwelt“ las. Die Beschreibung eines gesellschaftlichen Zustandes in einem Wort! Philosophie auf Rädern, Kompliment!
Welten kommen einem auf der Autobahn öfter mal entgegen oder werden von mir locker überholt. „Fliesenwelt“ oder „Teppichwelt“. Leben mag ich in keiner von ihnen, aber danach geht es ja nicht immer. Nicht einmal die „Welt der Getränke“ böte ein glückliches Zuhause.
Sicher muss man nicht alles glauben, was auf einer Plane steht. „Wir baggern aus Leidenschaft“ kam heute vorbei und scheint eher behandlungswürdig.
Eine Spedition ergänzt ihren Firmennamen mit einem dicken fetten „wer sonst“. Die Verkehrsdichte bestätigte dieses Alleinstellungsmerkmal nicht.
Oft kommen auch Reime vorbei, denn der Reim soll das Erfolgserlebnis desjenigen, der ein Reimwort gefunden hat, auf das zu bewerbende Produkt übertragen. Allerdings wird nach meiner Beobachtung nur noch in mittelständischen Unternehmen gereimt, dort aber umso mittelmäßiger.
An Rasttätten plumpst nicht selten aus einem mit schlanken, jungen Party-Typen verzierten Truck ein dicklicher, oller Muffel. Die emotionale Quersumme ist dann Null.
Sie fahren eben alle nur Behauptungen spazieren. Wie es da drinnen aussieht, erfährt man fast nie.
Fassadenwelten.
Heute gab es einen vorläufigen Höhepunkt, als ich an einem Sattelschlepper ganz groß „Fassadenwelt“ las. Die Beschreibung eines gesellschaftlichen Zustandes in einem Wort! Philosophie auf Rädern, Kompliment!
Welten kommen einem auf der Autobahn öfter mal entgegen oder werden von mir locker überholt. „Fliesenwelt“ oder „Teppichwelt“. Leben mag ich in keiner von ihnen, aber danach geht es ja nicht immer. Nicht einmal die „Welt der Getränke“ böte ein glückliches Zuhause.
Sicher muss man nicht alles glauben, was auf einer Plane steht. „Wir baggern aus Leidenschaft“ kam heute vorbei und scheint eher behandlungswürdig.
Eine Spedition ergänzt ihren Firmennamen mit einem dicken fetten „wer sonst“. Die Verkehrsdichte bestätigte dieses Alleinstellungsmerkmal nicht.
Oft kommen auch Reime vorbei, denn der Reim soll das Erfolgserlebnis desjenigen, der ein Reimwort gefunden hat, auf das zu bewerbende Produkt übertragen. Allerdings wird nach meiner Beobachtung nur noch in mittelständischen Unternehmen gereimt, dort aber umso mittelmäßiger.
An Rasttätten plumpst nicht selten aus einem mit schlanken, jungen Party-Typen verzierten Truck ein dicklicher, oller Muffel. Die emotionale Quersumme ist dann Null.
Sie fahren eben alle nur Behauptungen spazieren. Wie es da drinnen aussieht, erfährt man fast nie.
Fassadenwelten.
Dienstag, 16. April 2013
Entzugserscheinungen
Ob uns die Presse damals wie Helden behandelt hätte, wenn wir kleinen Jungs für ein paar Tage unsere kleinen momentanen Lieblingsspielzeuge, die Gummikatapulte hätten wegsperren lassen?
Kann man sicher nicht ganz mit einem Handy vergleichen, das „Katschi“, obwohl es, streng genommen, auch ein Kommunikationsmittel war.
In Braunschweig wagen nun Schüler, wie ich lese, das Umögliche und wollen eine ganze Woche ohne Handy und Smartphone leben. Ohne Entschädigung und ohne Arzt.
Wieder mal erinnere ich mich an Zeiten, da klobige „Funktelefone“ allein das Statussymbol wichtig tuender Business-Fuzzies waren. Wenn die ihre dicken Wrunken stolz auf den Tisch im Restaurant legten, war kaum noch Platz für Teller. Zumal für den Empfang oft auch noch eine zünftige Teleskopantenne herausgezogen werden musste. Traf ein Anruf ein, mussten die Angerufenem, was ihrem Status zusätzlich entgegenkam, sehr laut schreien, und auch schnell, weil die Akkus nicht lange hielten und die Minute so teuer war wie ein Schmuckblatt-Telegramm gleichen Inhalts.
Dieses kennt schon gar keiner mehr.
Und davor war (abgesehen von frühen Visionen, z.B. 1931) Funktelefonstille.
Eine ganze Kindheit verbrachte ich ohne Handy, Ihr Braunschweiger Junkies!
Wir hatten nicht mal Festnetz!
Sogar die Telefonzelle war kaputt! Möglicherweise sogar durch unser Tun.
Einmal spannten wir, weil das in der Zeitschrift „Frösi“ beschrieben wurde, zwischen zwei Büchsen einen straffen Faden, wodurch die Büchse wie ein Telefon funktionieren sollte.
Als es fertig war und sogar ganz, ganz wenig funktionierte, wussten wir nicht, was wir außer „Hallo, hallo!“ sagen sollten.
Und dabei ist es dann eigentlich auch geblieben.
Kann man sicher nicht ganz mit einem Handy vergleichen, das „Katschi“, obwohl es, streng genommen, auch ein Kommunikationsmittel war.
In Braunschweig wagen nun Schüler, wie ich lese, das Umögliche und wollen eine ganze Woche ohne Handy und Smartphone leben. Ohne Entschädigung und ohne Arzt.
Wieder mal erinnere ich mich an Zeiten, da klobige „Funktelefone“ allein das Statussymbol wichtig tuender Business-Fuzzies waren. Wenn die ihre dicken Wrunken stolz auf den Tisch im Restaurant legten, war kaum noch Platz für Teller. Zumal für den Empfang oft auch noch eine zünftige Teleskopantenne herausgezogen werden musste. Traf ein Anruf ein, mussten die Angerufenem, was ihrem Status zusätzlich entgegenkam, sehr laut schreien, und auch schnell, weil die Akkus nicht lange hielten und die Minute so teuer war wie ein Schmuckblatt-Telegramm gleichen Inhalts.
Dieses kennt schon gar keiner mehr.
Und davor war (abgesehen von frühen Visionen, z.B. 1931) Funktelefonstille.
Eine ganze Kindheit verbrachte ich ohne Handy, Ihr Braunschweiger Junkies!
Wir hatten nicht mal Festnetz!
Sogar die Telefonzelle war kaputt! Möglicherweise sogar durch unser Tun.
Einmal spannten wir, weil das in der Zeitschrift „Frösi“ beschrieben wurde, zwischen zwei Büchsen einen straffen Faden, wodurch die Büchse wie ein Telefon funktionieren sollte.
Als es fertig war und sogar ganz, ganz wenig funktionierte, wussten wir nicht, was wir außer „Hallo, hallo!“ sagen sollten.
Und dabei ist es dann eigentlich auch geblieben.
Fremdes Dilemma
Das Dilemma von Terroristen: sie wollen nicht gefasst werden, zielen aber auf Aufmerksamkeit.
Was heißt, dass sie sich bekennen müssen und damit bereits ausliefern.
Hass- und Verzweiflungstaten haben alle das Merkmal des Zuwiderlaufs gegen eigene Ziele, und sei es das Ziel des Weiterlebens.
Was heißt, dass sie sich bekennen müssen und damit bereits ausliefern.
Hass- und Verzweiflungstaten haben alle das Merkmal des Zuwiderlaufs gegen eigene Ziele, und sei es das Ziel des Weiterlebens.
Montag, 15. April 2013
Professoren entern Piraten
Klingt schon verstaubt, dieser schöne Schnörkel „in unserer schnelllebigen Zeit“.
In unserer schnelllebigen Zeit halten sich auch keine Redeschnörkel.
(Auch wenn „schnelllebig“ durch die Rechtschreibreform um ein „l“ verlangsamt wurde.)
Immer schnelllebiger scheinen heute Parteien zu sein, wenn sie nicht wie viele Etablierte langsam bis garnichtlebig werden wollen.
Im Brackwasser der Umfragenflaute treiben aber auch schon die Piraten, nunmehr vom Kanonenboot der Wirtschafts-Professoren aufgebracht. Die „Alternative für Deutschland“ sagt, dass wir gar keine haben. Sie will uns nur vor den Euro-Rettern retten. Immerhin eine klare Ansage, und mancher wird denken, dass so viele redlich erworbene akademische Abschlüsse nicht irren können.
Mit Geld können sie jedenfalls umgehen, die Profs. Schluss mit der Gratis-Kultur! Die ganze rechte Spalte der Homepage-Titelseite der „Alternative für Deutschland“ ist schon mal hochprofessionell der Kohlebeschaffung gewidmet. Sie nehmen auch Euro. Der drüberstehende Slogan „Wir brauchen Sie!“ ist da doch mal ein offenes Wort, wie es andere Abo-Werber im Netz nicht so vorne auf der Zunge tragen.
Allerdings fürchten sich die Menschen seit Zypern auch ein wenig davor, dass man sie braucht.
Uns mit unseren schnelllebigen Kontoständen.
Was aber werden wir Schönes erleben, wenn der Euro von der „Alternative für Deutschland" den Gnadenstoß erhalten hat?
Auf der Homepage der neuen Partei findet sich da gar nichts.
Vielleicht soll genau das Nichts die Alternative sein?
Hätte man aber doch in den anderen Parteien, die laut Post-Piraten „verkrustet und verbraucht“ sind, auch mal drauf kommen können.
Ob der Groschen fällt, oder kommt?
(Auch wenn „schnelllebig“ durch die Rechtschreibreform um ein „l“ verlangsamt wurde.)
Immer schnelllebiger scheinen heute Parteien zu sein, wenn sie nicht wie viele Etablierte langsam bis garnichtlebig werden wollen.
Im Brackwasser der Umfragenflaute treiben aber auch schon die Piraten, nunmehr vom Kanonenboot der Wirtschafts-Professoren aufgebracht. Die „Alternative für Deutschland“ sagt, dass wir gar keine haben. Sie will uns nur vor den Euro-Rettern retten. Immerhin eine klare Ansage, und mancher wird denken, dass so viele redlich erworbene akademische Abschlüsse nicht irren können.
Mit Geld können sie jedenfalls umgehen, die Profs. Schluss mit der Gratis-Kultur! Die ganze rechte Spalte der Homepage-Titelseite der „Alternative für Deutschland“ ist schon mal hochprofessionell der Kohlebeschaffung gewidmet. Sie nehmen auch Euro. Der drüberstehende Slogan „Wir brauchen Sie!“ ist da doch mal ein offenes Wort, wie es andere Abo-Werber im Netz nicht so vorne auf der Zunge tragen.
Allerdings fürchten sich die Menschen seit Zypern auch ein wenig davor, dass man sie braucht.
Uns mit unseren schnelllebigen Kontoständen.
Was aber werden wir Schönes erleben, wenn der Euro von der „Alternative für Deutschland" den Gnadenstoß erhalten hat?
Auf der Homepage der neuen Partei findet sich da gar nichts.
Vielleicht soll genau das Nichts die Alternative sein?
Hätte man aber doch in den anderen Parteien, die laut Post-Piraten „verkrustet und verbraucht“ sind, auch mal drauf kommen können.
Ob der Groschen fällt, oder kommt?
Freitag, 12. April 2013
Grüße aus dem Jenseits
Muss es einem alten Widder zu denken geben, wenn die Zahl der automatisch generierten Geburtstagswünsche in diesem Jahr erstmals die Zahl jener überstieg, welche von biologischen Wesen, per definitionem „organisierten genetischen Einheiten“ (Bekannte, Freunde) versandt wurden?
Provider, Online-Shops und Internetforen bedachten mich mit reichlich vorprogrammierter Herzlichkeit, sogar mit kleinen Geschenken (Telekom). Immerhin wusste ich von der Hälfte jener virtuellen Gratulanten, dass ich mein Geburtsdatum dort eingetragen hatte. Von den anderen war es mir entfallen, denn man wird, und das ist ja der zweifelhafte Sinn von Geburtstagen, älter.
Auch vergisst mal der eine oder andere biologische Bekannte meinen Jahrestag, aber das geht mir auch so und kränkt mich deshalb überhaupt nicht. Freundin Technik aber, zeigt sich wieder einmal bei gleichzeitiger Aktivierung einer leichten Gänsehaut, vergisst nie.
Es beglückwünschte mich heuer auch ein Webforum, an dessen Teilhaftigkeit meinerseits ich mich gar nicht erinnern konnte. Auf jeden Fall hatte ich es seit Jahren nicht besucht. Denkbar wäre es also, dass es auch noch lange nach meinem Ableben unverdrossen „Happy Birthday!“ funkt, vielleicht sogar zum tausendsten Geburtstag, wenn wir allesamt, ich und Freundeskreis, genetisch nicht mehr so recht organisiert sind.
Ich kann mir sogar eine, sagen wir durch Virus, gänzlich ausgerottete Menschheit vorstellen, deren unglückliche Seelen Jahr für Jahr zahlreiche Segenswünsche gemailt kriegen von ihren alten, lieben digitalen Datensätzen. Kann man beispielsweise bei Facebook (wo ich nicht rekrutiert bin) sterben? Wie ich entdecke, benötigt man dort zumindest zwingend Sterbehilfe.
Die vielen virtuellen Aufmerksamkeiten erzeugten unter dem Strich, ich gestehe, dennoch tatsächlich ein Quentchen angenehmen Gefühls. Noch wirkt es also, im Unterschied zu Spam-Suggestionen wie „Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“. Gern würde ich auch zurückbeglückwünschen, zum zehnten Geburtstag des Servers vielleicht. Aber der feiert noch nicht.
Provider, Online-Shops und Internetforen bedachten mich mit reichlich vorprogrammierter Herzlichkeit, sogar mit kleinen Geschenken (Telekom). Immerhin wusste ich von der Hälfte jener virtuellen Gratulanten, dass ich mein Geburtsdatum dort eingetragen hatte. Von den anderen war es mir entfallen, denn man wird, und das ist ja der zweifelhafte Sinn von Geburtstagen, älter.
Auch vergisst mal der eine oder andere biologische Bekannte meinen Jahrestag, aber das geht mir auch so und kränkt mich deshalb überhaupt nicht. Freundin Technik aber, zeigt sich wieder einmal bei gleichzeitiger Aktivierung einer leichten Gänsehaut, vergisst nie.
Es beglückwünschte mich heuer auch ein Webforum, an dessen Teilhaftigkeit meinerseits ich mich gar nicht erinnern konnte. Auf jeden Fall hatte ich es seit Jahren nicht besucht. Denkbar wäre es also, dass es auch noch lange nach meinem Ableben unverdrossen „Happy Birthday!“ funkt, vielleicht sogar zum tausendsten Geburtstag, wenn wir allesamt, ich und Freundeskreis, genetisch nicht mehr so recht organisiert sind.
Ich kann mir sogar eine, sagen wir durch Virus, gänzlich ausgerottete Menschheit vorstellen, deren unglückliche Seelen Jahr für Jahr zahlreiche Segenswünsche gemailt kriegen von ihren alten, lieben digitalen Datensätzen. Kann man beispielsweise bei Facebook (wo ich nicht rekrutiert bin) sterben? Wie ich entdecke, benötigt man dort zumindest zwingend Sterbehilfe.
Die vielen virtuellen Aufmerksamkeiten erzeugten unter dem Strich, ich gestehe, dennoch tatsächlich ein Quentchen angenehmen Gefühls. Noch wirkt es also, im Unterschied zu Spam-Suggestionen wie „Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“. Gern würde ich auch zurückbeglückwünschen, zum zehnten Geburtstag des Servers vielleicht. Aber der feiert noch nicht.
Donnerstag, 11. April 2013
Das „das“ wär's!
Es wäre ein Leichtes, den ewigen Gender-Zoff in der deutschen Sprache zu beenden.
Und zwar verständnisvoll und ausgleichend. Denn mag manchem das ewige „Studierende“ statt „Studenten“ als philologischer Zickenterror erscheinen, ist andererseits auch nicht zu leugnen, wie das (sic!) Homo-Sapiens-Männchen patriarchalisch die Benennungen besetzt wie ein Hund die Ecken seines Revier bepinkelt.
Nicht nur den Großen Verbalfrieden will ich nunmehr stiften, wenn ich vorschlage, sämtliche zusammenfassende Bezeichnungen wie „Leser“, „Autofahrer“ oder „Politiker“ zu versächlichen, also: „das Leser“, „das Autofahrer“ usw.
Wir gewinnen zunächst mal allesamt Monate ans Lebenszeit, die wir nicht mehr mit Redundanzen wie „Liebe Leserinnen und Leser“ verplempern.
Und wir kommen nebenbei der Wahrheit näher!
Denn niemand kann noch leugnen, dass die Entleibung des und der Fernsehenden zu „das Zuschauer“ mehr als weit vorangeschritten ist. Auch „das Kunde“ oder „das Tourist“ kommen der logistischen Versächlichung nahe, welche die Betreffenden als Abrechnungseinheit längst erdulden. Auch „das Patient“ spiegelt Krankenhauswirklichkeit gewiss besser wider als eine allzu penetrante Vermenschlichung.
Und im Englischen geht es mit „the“ schon lange, ohne dass dies eine übermäßige sexuelle Gestörtheit bemerken lässt.
Es wäre eine Gewöhnungssache. Nach ein, zwei Generationen besonders früh kaputt gespielter Deutschlehrer müsste das „das“ doch wohl durch sein. Und das Gleichberechtigung wäre erreicht!
Und zwar verständnisvoll und ausgleichend. Denn mag manchem das ewige „Studierende“ statt „Studenten“ als philologischer Zickenterror erscheinen, ist andererseits auch nicht zu leugnen, wie das (sic!) Homo-Sapiens-Männchen patriarchalisch die Benennungen besetzt wie ein Hund die Ecken seines Revier bepinkelt.
Nicht nur den Großen Verbalfrieden will ich nunmehr stiften, wenn ich vorschlage, sämtliche zusammenfassende Bezeichnungen wie „Leser“, „Autofahrer“ oder „Politiker“ zu versächlichen, also: „das Leser“, „das Autofahrer“ usw.
Wir gewinnen zunächst mal allesamt Monate ans Lebenszeit, die wir nicht mehr mit Redundanzen wie „Liebe Leserinnen und Leser“ verplempern.
Und wir kommen nebenbei der Wahrheit näher!
Denn niemand kann noch leugnen, dass die Entleibung des und der Fernsehenden zu „das Zuschauer“ mehr als weit vorangeschritten ist. Auch „das Kunde“ oder „das Tourist“ kommen der logistischen Versächlichung nahe, welche die Betreffenden als Abrechnungseinheit längst erdulden. Auch „das Patient“ spiegelt Krankenhauswirklichkeit gewiss besser wider als eine allzu penetrante Vermenschlichung.
Und im Englischen geht es mit „the“ schon lange, ohne dass dies eine übermäßige sexuelle Gestörtheit bemerken lässt.
Es wäre eine Gewöhnungssache. Nach ein, zwei Generationen besonders früh kaputt gespielter Deutschlehrer müsste das „das“ doch wohl durch sein. Und das Gleichberechtigung wäre erreicht!
Mittwoch, 10. April 2013
Noch macht keiner mit
Der Frühling kommt nun angekrochen
und ruft nach allerlei Reform
in Feld und Flur.
Das Dumme nur:
es fühlt sich vorn
und hinten bislang keiner angesprochen.
Die Bäume, ohne sich zu ändern,
sie schlagen aus, so plötzlich auszuschlagen.
Sie lassen sich nichts sagen.
Schon gar nicht
von Kalendern.
Sie können taktisch warten
um nutzen, statt sich zu erkälten
und für den Fall noch einer Eiszeit
die alte Karrieristen-Weisheit:
Es triumphieren selten
die als Erste starten.
und ruft nach allerlei Reform
in Feld und Flur.
Das Dumme nur:
es fühlt sich vorn
und hinten bislang keiner angesprochen.
Die Bäume, ohne sich zu ändern,
sie schlagen aus, so plötzlich auszuschlagen.
Sie lassen sich nichts sagen.
Schon gar nicht
von Kalendern.
Sie können taktisch warten
um nutzen, statt sich zu erkälten
und für den Fall noch einer Eiszeit
die alte Karrieristen-Weisheit:
Es triumphieren selten
die als Erste starten.
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